Konkret
basiert diese Methode auf dem Vorgang des „Decodierens“, was soviel
bedeutet wie eine wortwörtliche Übersetzung des fremdsprachigen Textes
in der gleichen Reihenfolge.
In
der Praxis sieht das dann so aus:
Hier,
j’ai
rencontré des
gens
que je ne
connaissais pas.
Gestern, ich-habe getroffen
von-den Leuten die
ich nicht
kannte
nicht.
(Beispiel
aus: Die Birkenbihl-Methode, Französisch I für Einsteiger, von Vera F.
Birkenbihl, Verlag Birkenbihl Media, Kapitel 1: Wort für Wort, erster
Satz.)
Es
ist dies tatsächlich eine gute Möglichkeit, sich die ungewohnte
Satzstellung und Ausdrucksweise einer fremden Sprache anzueignen. Es ist
das somit eine Hilfsmethode für die ersten Lehrstufen zum Studieren
einer Sprache, nicht mehr und nicht weniger. Für eine weitere
Verwendung wäre die Methode einerseits schon unnötig bzw. hinderlich
und andererseits zu aufwändig. (Ausnahme: Besonders komplizierte
Satzstellungen, die man mittels dieser Methode auch gut in der
Lernkartei oder - besser noch - im Vokabeltrainer darstellen kann.)
Aber
das System hat natürlich einiges für sich, wenngleich es im Ursprung
nicht der Frau Birkenbihl zugesprochen werden kann.
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Schon
die Methode Mertner (1919) bediente sich ansatzweise dieser
Textdarstellung:
Le wagon-cinema
Une grosse firme cinématographique américaine va
installer des „wagons-cinémas“ sur les trains express à long
parcours. (Le Journal
8.6.1923)
(die einzelnen Wörter waren numeriert und direkt daneben stand das
jeweilige Fremdwort, in diesem Falle das französische, der deutschen
Bedeutung gegenüber, dies in genau der gleichen Reihenfolge.)
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Die
nächste Entwicklungsstufe war jene der Methode Dr. Heil (1932). Auch
hier stand dem fremdsprachigen Text in einer unmittelbar daneben
befindlichen Spalte der deutsche Text gegenüber, dort wo erforderlich
in genau der gleichen Wortfolge wie im Original.
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Die
letzte mir bekannte Vorstufe ist jene der „modernen Sprachmethode
PROGRESS“. Diese wurde als 20-Wochen-Fernkurs unter dem Titel
„Englisch / Französisch für alle“ publiziert und unter anderem auf
allen damals üblichen Umschlagseiten von Groschenromanen wie z. B.
Jerry Cotton oder Perry Rhodan beworben. Das sah dann so aus:
J’aime
à connaître
beaucoup de
pays, et
à faire la
connaissance des hommes ....
Ich liebe zu kennen
viele
(von) Länder und zu machen die
Bekanntschaft von-den Menschen ....
Nun, wo ist hier ein Unterschied zwischen Birkenbihl- und
PROGRESS-Methode?
(Diese Methode kam just zu jener Zeit auf den Markt, als Frau Birkenbihl
mit 15 Jahren die Schule aus Frustration verließ.)
Egal jedoch, ob Frau Birkenbihl die vorgenannten Methoden nicht kannte,
wie sie behauptet, oder doch. Es ist letztlich ihr Verdienst, dass diese
Möglichkeit, sich vor allem zu Beginn eines Sprachenstudiums auf diese
Weise zu behelfen, publik wurde. Danke!
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Die im Teil „Allgemeines“ genannten Schlagworte sind jedoch eine
andere Sache, die eben vom Vermarktungsvermögen der Dame zeugen. Bei
Frau Birkenbihl wie auch bei anderen Anbietern, die mit diesen und ähnlichen
Begriffen werben, wird deren Verwendung damit begründet, man lerne
Sprachen durch die jeweilige Methode genau so wie es Kinder tun und
diese würden eben kein Vokabelpauken und keine Grammatik benötigen.
Doch das sprachliche
Heranwachsen eines Kindes dem eines Erwachsenen gleichzusetzen, egal mit
welcher Methode, ist ein sehr gewagtes Stück. Niemand möge vergessen,
wie viel Zeit ein Kind benötigt, aber auch zur Verfügung hat, seine
eigene Sprache auszubilden, wieviel Unterstützung durch Eltern und
Familie, Schule und privates Umfeld es viele Jahre lang erfährt. Welche
dieser Methoden sollte wirklich geeignet sein, all dies was sich das
Kind teils spielerisch, teils auch lernend beigebracht hat, bei
Menschen, die sich eine Fremdsprache mehr oder weniger nebenbei aneignen
wollen oder müssen, binnen Monaten oder weniger Jahre zu gleichem
Erfolg zu führen?