2.5.2. Die Muss-Kriterien - Individuelle Erweiterung
von Vokabeln
Der Trainer muss individuell erweiterbar sein.
Das soll heißen, dass die Möglichkeit, eigene Vokabel
einzugeben, unbedingt bestehen muss. Dies sollte man ohnedies voraussetzen,
dem ist aber leider nicht immer so. Nur so können Sie alle
Wörter und Sätze Ihres nächsten Kurses auch eingeben und
anschließend lernen.
- Erweiterung um jedes neu gewünschte Wort.
(Felder MS / FS = Muttersprache / Fremdsprache)
- Erweiterungs-/Erklärungsfeld für jedes Wort (Felder MSZ / FSZ – Z für
Zusatz)
Das ist ganz wichtig, denn es ist dies jene Vernetzung/Verknüpfung, die dem Wort das
Umfeld gibt. Das kann ein Satz aus den Kurs-Unterlagen sein, aus dem
Buch mit dem Mindestwortschatz, aber auch ein selbst gebastelter,
möglichst auf die eigene Person oder eine abstrakte Situationen bezogen,
da man sich solches besser einzuprägen in der Lage ist. (z.B. hat / Hut – My darling looks good with her
/ his new hat. – oder:
Nicole Kidman had a hat which was more like a kitchen garden than a
hat. = Gemüsegarten.
Je ausgefallener Sie formulieren, desto besser, zeigen Sie Phantasie.
Und: Keine Angst vor Fehlern, wenn Sie fleißig weiterlernen, werden
Sie diese später, d. h. beim dritten oder vierten Durchgang, selbst
erkennen und korrigieren.
Außerdem: Das Erlernen und der Gebrauch von Fremdsprachen ist ohne Fehler nicht
möglich. Perfektionismus ist hier völlig unangebracht!)
- Ein freies Feld für die Aussprache (Feld
Aussprache)
In manchen Sprachen ist gerade die Aussprache besonders schwierig,
wichtig ist eine korrekte Aussprache aber in jeder Sprache. Verbale
Verständigung funktioniert ohne diese nicht. Besonders wichtig ist
ein solches Feld beispielsweise für Französisch. Aber auch bei
einfacheren Sprachen wie Spanisch ist es hilfreich. Bsp.: der
Großvater = el abuelo = abbu-elo, Betonung liegt auf ´e´.
- Umschaltmodus der Abfrage von Muttersprache auf die
Fremdsprache (FS > MS). Wenngleich die Empfehlung, von MS auf FS
zu lernen, natürlich aufrecht bleibt, so ist es zumindest für Übungen
von Vorteil, diesen Modus zur Verfügung zu haben.
- Variable Prioritäten- bzw. Stufenbestimmung
Diese Bestimmung legt die Lernstufe der einzelnen Vokabel fest,
beginnend mit Stufe 1. Standardmäßig sollten es mindestens 5 Stufen
sein und deren Inhalt sollte eben möglichst verstellbar sein.
Die Praxis:
Sie beginnen mit ersten Worten, die entweder schon von Beginn an
verfügbar waren oder von Ihnen schrittweise eingegeben wurden bzw.
werden. Dabei gibt es Wörter, deren Bedeutung Sie leichter erfassen
als andere und umgekehrt.
- Das 1. Fach - Zu Beginn ist das Fach 1 auf 20 Stk. eingestellt, das ist okay.
- Sie beginnen das erste Wort, wissen dessen korrekte Übersetzung und
es wandert in Fach 2.
Das nächste Wort ebenso, doch beim dritten Wort ist Fehlanzeige.
Das heißt dann, die ersten beiden Wörter marschieren in Fach 2, das
3. geht in Fach 1 zurück bzw. bleibt in diesem. So arbeiten Sie das Fach 1 durch, immer und
immer wieder, ganz nach Ihrem eigenen Rhythmus, nach dem Quantum Ihrer
verfügbaren Zeit.
- Das 2. Fach ist auf beispielsweise 50 Begriffe eingestellt. Wenn
dieses Fach voll ist bzw. sobald neue Begriffe dort eintreffen, werden
jene Begriffe, die zu Beginn dort waren, hervorgeholt und
durchgearbeitet. Das Resultat: Die guten in das nächste Fach, das
dritte, die schlechten kommen zurück in das erste Fach.
- Das 3. Fach ist beispielsweise auf 100 Begriffe eingestellt,
die Vorgangsweise ist gleich. Auf diese Art und Weise werden die
einzelnen Vokabeln richtiggehend durchgekaut. Wieso aber sollte diese
Option variabel sein? Die Antwort ist auch hier einfach:
Stellen Sie sich bitte vor, Sie hätten schon einige Wörter angelegt
und erste Erfahrungen gesammelt, Sie hätten Ihr Werkzeug komplettiert und die Strategie für den Erwerb
Ihrer Fremdsprache(n) verfeinert.
- Somit steigt Ihre Freude und Ihr Spaß am Lernen und am aktiven
Gebrauch der Sprache und es ergibt sich ganz von selbst, dass Sie
Ihre Anstrengungen verstärken.
Haben Sie bisher eine halbe Stunde täglich mit dem Lernen von
Vokabeln zugebracht, so werden Sie diese Zeit verdoppeln oder
verdreifachen, wenn Sie merken, wie gut Sie auf diese Methode
ansprechen. Schnell werden Sie dabei auch bemerken, dass die
Einteilung der Fächer mit 20>50>100>200>500 bei
weitem nicht mehr ausreicht. Wenn Sie dann Ihre Taktik noch
verfeinern und andere Techniken in Ihr Lernen am Sprachentrainer
einbauen, Superlearning beispielsweise, so werden Sie sehen, dass
das tägliche Pensum von 100 bis 120 Vokabeln kein Hirngespinst
ist. Dann werden Sie plötzlich feststellen, dass Sie sich bis zu
80 % der Vokabeln auf Anhieb (!) merken können, denn Training
macht den Meister, und zwar in nahezu allem. Dann wird aber die
vorgenannte Einteilung (20 > 500) nicht reichen und muss
entsprechend angepasst werden. Ob sie dann lautet
50>100>500>2000>5000,
100>300>600>3000>6000 oder aber ganz anders, hängt von
Ihren eigenen Erfahrenswerten ab und gehört individuell
angepasst.
Bedenken Sie bitte, dass Sie in der zuvor beschriebenen Weise und bei
einigem Training
lediglich fünf (5!) Tage benötigen würden bzw. hoffentlich
werden, um das 500-er Fach zu
füllen. Das aber sind Erfahrenswerte, keine theoretischen Aussagen!
Diese gesamte Vorgangsweise können Sie besser anhand einer Skizze
auf den Seiten von Wolfgang Pohl sehen, mit dem Vorbehalt "...damit
du keine Rechtschreibfehler mitlernst...", siehe dazu meine
Anmerkung zu Perfektionismus. Aber dies ist wohl die Bürde aktiven
Schulunterrichts.
- http://www.pohlw.de/lernen/kurs/lern-05.htm
- http://www.htl-steyr.ac.at/~holz/schule/kartei.html