Fremdsprachen - Die Methode Birkenbihl

  • Veröffentlicht von Linguis @ 2008-01-31 – 10:10:10

    Guten Morgen

    und herzlich willkommen, heute geht es weiter mit den Methoden und unserer Einweg-Kommunikation.

    Ich habe heute die Birkenbihl-Methode ausgewählt, und zwar deshalb, weil unter den Zugriffen auf meine deutschsprachige Homepage der Suchbegriff „Nachteile der Birkenbihl-Methode“ zu finden war.

    Frau Birkenbihl verspricht mit ihrer Methode eine enorme Zeitersparnis (in diversen Medien werden dazu bis zu 80 % genannt) und eine wesentlich höhere Effizienz. Vokabelpauken verboten, versteht sich. (Zu dieser Aussage komme ich in einem der nächsten Beiträge zurück.)

    Nun, sie ist nicht die erste und wahrlich auch nicht die letzte, die solches verspricht. Ich habe hier einen Kurs mit der Bezeichnung „... die impressive Methode ohne Auswendiglernen“ und einem Copyright von 1935!

    Das Kernstück der Birkenbihl-Methode ist die sogenannte De-Codierung. Darunter ist eine wortwörtliche Übersetzung zu verstehen. Auch hier ist Frau Prof. Birkenbihl nicht die erste, denn die sogenannte Methode Mertner – Psychotechnischer Spracherwerb auf mechanisch-suggestiver Grundlage – hat ein Vorwort von August 1924! Ein weiterer Kurs mit der Methode „Progress“ basiert auf dem gleichen Prinzip und hat seinen Ursprung 1945.

    Nichtsdestotrotz hat diese Methode selbstverständlich ebenso ihre Daseinsberechtigung. Sie hat nur einen Haken: Sinnvoll einsetzbar ist sie nur in der Anfangsphase, als Hilfe in Übersetzung der Texte und der jeweiligen Satzstellung in der betreffenden Sprache. Sobald man jedoch das erste Gespür dafür bekommen hat, wie man am besten damit umgeht, wird man auf die De-Codierung wahrscheinlich bald verzichten, da sie zeitaufwendig ist und bald als überflüssig empfunden wird.

    Die Texte zu den meisten Kursen werden von gebildeten und gut ausgebildeten Menschen geschrieben. Diese aber haben einen wesentlich größeren aktiven Wortschatz und neigen daher zu Übertreibungen. Wenn sich jedoch ein Anfänger mit der neuen Sprache beschäftigt, so sollte jeder Text, jede einzelne Übersetzung so einfach gehalten sein wie irgendwie möglich. Hier setzt die Birkenbihl-Methode auch an.

    Ich möchte Ihnen das kurz veranschaulichen und nehme dazu einen Kurs von Assimil zu Hilfe. Assimil ist sicher eine der besseren Methoden, aber hier kommt es nicht auf die Methode an sondern darauf, wer übersetzt hat bzw. auch wie:
    Assimil: Ungarisch ohne Mühe, Assimil 1994, ISBN 2-7005-0180-2Lektion 41, Seite 133 – ungarischer Text, Seite 144– deutsche Übersetzung, Satz Nr. 10 :

    A narancsok úgy elszaladtak, mintha ...... – A = Die // narancsok = Orangen (pl.) úgy = so // elszaladtak = el = fort, weg, davon + szalad(ni) = laufen, rennen = somit fort- bzw. weglaufen.

    Einfach übersetzt hieße es: Die Orangen liefen fort, weg oder davon. Möchten Sie wissen, wie die Übersetzung lautet? Gerne, hier ist sie: Die Orangen sind geflohen, als ob ....... (Es ging um einen Traum.) Zum einen würde in der Umgangssprache wohl kaum jemand den Ausdruck „fliehen“ dafür verwenden, zum anderen heißt „fliehen“ auf ungarisch „menekül“.

    Daher auch beim De-Kodieren: Immer so einfach als irgendwie möglich.

    Der Link zur Birkenbihl-Methode auf meiner Homepage:
    fremdsprachenweb.net/lernmethoden/methode_birkenbihl.htm


    Wenn Sie anderer Meinung sind oder sich sonst wie äußern wollen, so ist Ihr Kommentar im Forum herzlich willkommen:
    fremdsprachenweb.net/forum/index.php/Board/12-Birkenbihl/

    Schönen Tag noch, bis morgen.


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Kommentare 1

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    Gast -

    • sndrsch • 2010-05-29 @ 00:20:13 Die Birkenbihl-Methode zum Sprachenlernen umfasst 4 Schritte: 1. De-Kodieren (mit k) 2. Hören-Aktiv 3. Hören-Passiv 4. Aktivitäten De-kodiert wird das, was nicht auf Anhieb einleuchtet; am Anfang wahrscheinlich alles, bei Fortgeschrittenen werden nur die unbekannten Wörter hingeschrieben. Frau Birkenbihl sagt selber, daß das De-Kodieren schon vor 100 Jahren da war und daß sie nur das aufgreift, wozu Kinder natürlich neigen, bis man es ihnen verbietet. Wen's interessiert: ich habe mich in meinem Blog an eine Beschreibung der Methode gewagt und vor allem ganz viele weiterführende Links gesetzt: sndrsch.blogspot.com/ (Die angegebene Seite nicht mehr online, die Site mit Infos über die Birkenbihl-Methode schon. Linguis)