Die Angabe von Fremdsprachen in der Bewerbung

  • Veröffentlicht von Linguis @ 2010-03-18 – 08:45:00

    Bei vielen Bewerbungen spielen Fremdsprachenkenntnisse eine wichtige Rolle. Doch oft verabsäumen es BewerberInnen, sich mit diesen in das richtige Licht zu setzen. Manche BewerberInnen haben Kenntnisse in der einen oder anderen Sprache und fragen dann, ob sie diese auch im Lebenslauf erwähnen sollten.

    Hier meine Antworten aus der Erfahrung des Bewerbungstrainings:

    1. Testen Sie Ihre Fremdsprachenkenntnisse anhand der Bescheibung der Tabelle des Europäischen Referenzrahmens für Fremdsprachen.
    Die Beschreibung ist detailliert und es ist daher unschwer festzustellen, welches Niveau auf Sie zutrifft. Schwieriger wird es dann, wenn Sie schon fundierte Kenntnisse haben. Hier kann es sein, dass einzelne Fähigkeiten wie Ausdrucksstärke ein anderes Niveau haben als beispielsweise die Grammatik oder das Hörverständnis. (She. auch das Thema Test im Blog).

    2. Geben Sie alle Sprachen an, von welchen Sie wirklich schon gewisse Grundkenntnisse haben.
    Diese sollten in etwa dem Niveau A1 entsprechen. Die Angabe von Kenntnissen unterhalb von A1 macht wenig Sinn.

    3. Geben Sie bei allen Sprachen, die Sie sprechen, das Niveau entsprechend an, soweit Sie das eben einzuschätzen in der Lage sind.
    Angaben wie „Englisch in Wort und Schrift“ haben eine eher geringe Aussagekraft, wenngleich es zumeist noch so verwendet wird. Es stellt sich hier nämlich die Frage:
    Auf welchem Niveau? Heben Sie sich ab vom Tross der Stellensuchenden, indem Sie diese Frage erst gar nicht aufkommen lassen!
    (Auch „Schulenglisch“ ist nicht wirklich hilfreich. Geben Sie zumindest A1 an und wenn Sie auch das nicht können so bedenken Sie bitte, dass Sie Nachholbedarf haben!)

    Angaben wie
    - Englisch auf Niveau B2/C1
    - Französisch auf Niveau B1
    - Russisch auf Niveau A2
    - Tschechisch nach .... Kursabschluß auf A1
    zeigen Ihre Kompetenz bei Fremdsprachen und erhöhen Ihre Chancen mitunter beträchtlich. Sie können dem Niveau noch ein * hinzufügen und unterhalb den Vermerk „* gemäß dem europäischen Referenzrahmen für Sprachen“ angeben. (Leider können wenige der für die Einstellung bzw. Erstsondierung Verantwortlichen sofort etwas mit der Niveau-Angabe anfangen.) Selbstverständlich sind Angaben zu absolvierten Kursen, Zertifikaten und Prüfungen zusätzlich sehr hilfreich.

    Sobald Sie Ihre schriftliche Bewerbung übermittelt haben, beginnt der nächste Schritt in der Vorbereitung. Gehen Sie bitte davon aus, dass Sie den Sprung zum Bewerbungsgespräch schaffen werden und beginnen Sie unverzüglich, Ihre Unterlagen zusammenzustellen. Die Einladung zum Vorstellungsgespräch kann schon morgen kommen!

    4. Ausdruck des Referenzrahmens

    Wenn Sie während des Bewerbungsgesprächs auf Ihre Angaben zum Sprachniveau angesprochen werden, so können Sie nicht voraussetzen, dass Ihr Gegenüber den Referenzrahmen kennt. Ein Griff zu dem ausgedruckten Blatt erleichtert Ihnen die Erklärungen. (Links zu Ausdrucksmöglichkeit am Ende des Artikels.)

    5. Kopien von Kurs- und Prüfungsbestätigungen sowie von Sprachzertifikaten bereitlegen

    6. Konzept zum Weiterlernen
    Das Vertiefen von Fremdsprachenkenntnissen ist immer von Vorteil. Besonders dann, wenn Sie wissen, dass Ihre bei Ihrem künftigen Job benötigten Fertigkeiten in der Fremdsprache noch nicht den benötigten Anforderungen entsprechen.
    Hier ist es sehr ratsam, sich bezüglich der Weiterbildungsmöglichkeiten und Kosten einen Überblick zu verschaffen, sich ein Konzept zurechtzulegen und dieses im Bewerbungsgespräch dann vorzulegen, wenn Ihr Gegenüber hier gewisse Mängel anspricht. Sie können dabei gegebenenfalls auch eine Förderung durch Ihren neuen Arbeitgeber vorschlagen, wenn ihm Ihre Sprachkompetenz wichtig ist. (Davon einmal abgesehen ist es für Sie künftig auch von Vorteil, wenn Sie sich eingehender mit den Möglichkeiten des Fremdsprachenlernens auseinandersetzen.)

    Auf diese Art und Weise gehen Sie gut vorbereitet, gestärkt, zuversichtlich und selbstbewußt in das für Sie so wichtige Bewerbungsgespräch.

    Ich hoffe, Sie können sich auch zu den anderen Themen der Bewerbung so gut vorbereiten.

    Viel Erfolg!


    Links:
    - auf Europass - europass.cedefop.europa.eu/de/…pean-language-levels-cefr - Raster zur Selbsteinschätzung für Verstehen, Sprechen und Schreiben, auch pdf-Übersicht verfügbar.
    - Uni Hamburg - uni-hamburg.de/allgemeinsprach…uns/up-ger-u-kurzinfo.pdf (227 kb) - Kurzinfo zum Ausdrucken


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Kommentare 4

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    • Verena Volt (Besucher) • ies-consulting.es/praktikum/index.php • 2012-01-27 @ 10:17:20 Vielen Dank für diesen gelungenen Eintrag. Als Recruiter habe ich gerade bei der Angabe von Sprachen im Lebenslauf schon die irrsten Geschichten und Übertreibungen erlebt. Sie sollten damit rechnen, dass Ihr Gegenüber beim ersten Interview möglicherweise alle der angegebenen Sprachen überprüfen wird. Wer sich da keine Blösse geben will, sollte im Lebenslauf ehrlich sein. Ein hilfreicher Tipp ist es, zwischen mündlichen und schriftlichen Sprachkenntnissen zu unterscheiden. Denn deutsche Schüler und Studenten haben oftmals ein sehr hohes Englisch-Niveau, das ohne Problema an C1 herantreicht. Doch waren Sie noch nie im Englischsprachigen Ausland und hatten auch sosnt wenig Gelegenheit, Englisch in der Praxis zu sprechen, sollten Sie die mündlichen Sprachkenntnisse ehrlicherweise herunterstufen. Viel Erfolg bei Ihren Auslandsbewerbung und frohes Lernen!

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      Sehr geehrte Frau Volt, herzlichen Dank für Ihren wichtigen Beitrag, mit besten Grüßen, Linguis

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    • realkontrol (Besucher) • realkontrol.com • 2010-08-20 @ 16:50:42 Ein wirklich umfassender und praktisch anwendbarer Blog zum Thema Bewerbung und Fremdsprachen. Nur das mit dem ständigen Üben und Vertiefen einer Fremdsprache im eigenen Land erfordert viel Zeit und Disziplin. Wer hat die schon neben täglicher Arbeit, Haushalt, Kindern, sich um den Lebenspartner und Freunde kümmern? Richtig Zeit zum Erlernen hat man eigentlich nur in der Kindheit und Kinder lernen Sprachen nachweislich am schnellsten im alter von 3 bis 6 Jahren. Wie beim Erwachsenen ist dann aber immer wieder eine Auffrischung nötig, damit die einmal erlernten Fremdsprachen nicht wieder vergessen werden. Ideal dafür ist natürlich immer ein Aufenthalt im jeweiligen Land. Am besten ohne Touristenrummel, wo der Einheimische die Sprache der Gäste spricht.

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      • Stefan Svec (Besucher) • fremdsprachenweb.net • 2010-09-07 @ 20:26:34 Herzlichen Dank für Ihren Beitrag. Sie haben natürlich völlig recht, das Alltagsleben lässt kaum die nötige Zeit und Energie zu, sich auch noch dem Erwerb von Fremdsprachen zu widmen. Umso wichtiger ist es jedoch, sich die Mühe zu machen und sich damit vorab auseinanderzusetzen: Was brauche ich wirklich um mich effizient und rationell mit dem Lehrstoff auseinanderzusetzen? Genau darum soll es hier ja auch gehen, sowohl im Blog als auch auf der Homepage. Übrigens: Zum Sprachenlernen im Ausland gibt es eine neue Seite: fremdsprachenweb.net/tipps/lernen_im_ausland.htm Viel Erfolg und liebe Grüße, Linguis