Vokabeln pauken verboten! Grammatiklernen nur für jene die wollen!

  • Veröffentlicht von Linguis @ 2010-09-07 – 20:08:18

    Kennen Sie Aussagen wie diese, haben Sie eine solche selbst schon getätigt?

    "Ich brauche nicht Vokabel zu lernen, ich habe einen Kurs / eine Methode, bei welchem bzw. welcher ich intuitiv lerne, so wie ich als Kind meine Muttersprache erlernt habe."


    Super, wie gut für Sie.

    Ja, ich kenne diese Werbeslogans, die Einführungstexte in diversen Kursen, von findigen Vertriebsleuten ersonnen. Dazu habe ich aber jetzt eine Bitte an Sie:

    Schließen Sie bitte kurz die Augen, um sich in Ihrer Vorstellung wieder in diese Zeit, in die Zeit Ihrer Kindheit, in die verschiedenen Phasen Ihrer persönlichen Entwicklung zurückzuversetzen.


    Haben Sie es geschafft? Konnten Sie sich Ihre damalige Situation zurückrufen, vorstellen, sich hineinfühlen? Haben Sie heute wirklich jene Voraussetzungen, die Sie damals hatten?

    Sind Sie sicher?

    - Sie hatten damals keine anderen Aufgaben als zu spielen, zuzuhören, zu plappern und dabei völlig unbewußt zu lernen, ........ - Und heute?


    - Sie konnten stets darauf losplaudern, ohne Angst, etwas falsch zu sagen, ohne immer wieder schulmeisterisch korrigiert und belehrt zu werden, egal jetzt, ob Sie es falsch aussprachen oder nicht. - Und heute?

    - Sie hatten nicht den Zwang, sich alles was Sie aussprechen wollen, dreimal zu überlegen, um nur ja nichts Falsches zu sagen. - Und heute?

    - Sie mussten sich nicht mit Alltagssorgen, mit der Frage, was heute essen, wie den Tag verbringen, und und und beschäftigen. - Und heute?


    - Ihr Kopf wurde nicht von morgens bis abends vollgestopft mit Radio- oder Fernsehsendungen, mit den diversen Aussagen verschiedenster Personen in Ihrem Umfeld. - Und heute?

    - Sie hatten noch nicht den Zwang, die neuesten E-Mails durchlesen zu müssen und noch irgendeine Recherche, irgendeine Suche im Web durchzuführen. - Und heute?

    - Ihr Wissen über die unterschiedlichsten Dinge menschlichen Lebens war noch sehr beschränkt und unbelastet, noch hatten Sie keine Mühe, das was Sie gerade an Informationen benötigten, aus Ihrem Gehirn abzurufen. - Und heute?


    - Ihre Eltern, Ihr soziales Umfeld, Ihre Lehrkräfte hatten jahrelang die Aufgabe und mehr oder weniger Mühe, Ihre Sprachkompetenz zu fördern, zu verbessern oder Sie zu ermutigen, Neues zu lesen, zu lernen und zu erforschen. - Und heute?

    Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen, finden Sie nicht? Haben Sie also wirklich die gleichen Voraussetzungen, um jenen Methoden gerecht zu werden, die gerade darauf aufzubauen vorgeben?

    Deshalb meine dringende Bitte:


    Überprüfen Sie bitte gründlich, ob Sie mit jener Sprachlernmethode, der Sie sich anzuvertrauen gedenken, wirklich jenes Fremdsprachenniveau erreichen können, welches Sie anstreben!

    Wenn ja so ist es gut, es liegt eben immer daran, was Sie eigentlich erreichen möchten. Wenn nicht und Sie haben den Kurs schon so können Sie immerhin noch davon profitieren, indem Sie die Stärken des jeweiligen Kurses noch zusätzlich zu anderen Unterlagen nützen.

    Lassen Sie sich bitte jedoch nicht davon blenden, wenn man Ihnen empfiehlt, die Sprache nebenbei zu lernen und dergleichen, denn das sollte eigentlich Allgemeingut sein. Jede effiziente Lernstrategie besteht aus verschiedenen Elementen und das „Nebenbeilernen und –hören“ ist ein fixer Bestandteil beim Erlernen von Fremdsprachen.

    Meine spezielle Empfehlung zum Thema Vokabellernen:

    Setzen Sie sich einmal mit den Inhalten dieser Webseiten auseinander:
    - pohlw.de/lernen/kurs/lern-05.htm
    Es entspricht dies voll und ganz meinen eigenen Erfahrungen.

    Auf jeden Fall kommt es bei allem was man tut - somit auch beim Vokabellernen - immer darauf an, dass man versucht, es für die eigenen Bedürfnisse bestmöglichst zu optimieren.


    Viel Erfolg!

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Kommentare 7

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    • Eve (Besucher) • 2013-11-18 @ 19:36:20 Im Gegensatz zu den anderen Kommentaren bin ich gerade im bezug auf die Birkenbihl-Methode anderer Meinung, deren "Werbespruch" ja als Titel dient. Natürlich stimmt es, dass man als Erwachsener auch noch andere Dinge im Kopf hat und weniger spielt. Aber das heißt ja nicht, dass man deshalb nicht spielerisch (also mit Spaß und Leichtigkeit) lernen kann. Und die Art wie das Gehirn Informationen aufnimmt und speichert ist bei Kindern und Erwachsenen identisch ( bei Erwachsenen geht es schneller, weil man schon mehr weiß und es deshalb schneller einordnen kann). Natürlich muss man sich mit der Sprache intensiv beschäftigen, aber das muss nicht anstrengend sein. Für mich war und ist die Birkenbihl-Methode das Beste was mir je passiert ist und der Werbeslogan "Vokabel pauken verboten und Grammatik nur wer möchte" ist absolut wahr und keine leere Versprechung! (Ich studiere Chinesisch und Arabisch und habe noch keine einzige Vokabel gepaukt! Aber durchaus gelernt!) Das zeigt mal wieder, dass man nichts Verallgemeinern kann, auch Werbeslogans nicht. Jeder muss für sich die passende Methode finden. Ich habe meine gefunden

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      • Linguis • fremdsprachenweb.net • 2013-11-23 @ 11:50:01 Hallo Eve, danke für Ihren Beitrag, es ist immer wertvoll und anerkennenswert, die Meinungen, Erfahrungen und Erkenntnisse anderer Menschen kennenzulernen. Ich freue mich, dass Sie mit der Birkenbihl-Methode „Ihre Methode“ gefunden haben. Mein Anliegen ist es ja vor allem, die Menschen dazu zu bewegen, „ihre Methode(n)“ zu suchen, anderes auszuprobieren und alles was irgendwie Sinn macht zu kombinieren. Ich kenne auch den Wert der „De-Codierungsmethode von Frau Birkenbihl“ schon sehr lange, ungefähr so lange wie Frau Birkenbihl diese vermutlich selbst kannte. Nachlesen können Sie dies bei der Progress-Methode: fremdsprachenweb.net/lernmethoden/methode_progress.htm Für mich ändert es aber nichts daran, auf die Bezeichnung „Hilfsmethode“ zu bestehen. Dies vor allem deshalb, weil Sie aufgrund Ihres Lernfortschritts dieser Methode irgendwann einmal entwachsen sein werden, wenn Sie sich mit der Sprache kontinuierlich beschäftigen. Meiner Meinung nach ist es völlig sinnlos, diese Methode in fortgeschrittenem Stadium noch auf diese Art und Weise zu praktizieren. Dann müssen Sie sich etwas anderes überlegen bzw. haben Sie sich bis dahin vielleicht bereits eine andere Methode zurechtgelegt. Ähnlich ist es mit der Grammatik: Es ist unbestritten, dass man mit Ausdauer, Sprachengefühl und Freude am Erlernen einer Sprache diese auch so leidlich beherrschen kann (she. beispielsweise Pimsleur, fremdsprachenweb.net/lernmethoden/methode_pimsleur.htm). Ich selbst hatte leider nicht die Chance, Latein zu lernen und nicht die Notwendigkeit, mich über das Nötigste hinaus mit Grammatik zu beschäftigen, da ich ein sehr gutes Sprachengefühl habe. Es zeigt mir dies aber auch immer wieder die Grenzen dessen, was ich beherrsche und was nicht. So geht es mir – auf verschiedenem Level – sowohl bei Englisch als auch bei Ungarisch und Tschechisch, die drei Sprachen, die ich fließend beherrsche. Sobald Sie jedoch an den Kenntnissen einer Sprache weiterfeilen, schon ein gewisses Level erreicht haben und den Ehrgeiz besitzen, Ihre Kenntnisse weiter zu verbessern, werden Sie wohl oder übel nicht mehr umhin können, sich mit der Grammatik oder zumindest Teilen davon auseinanderzusetzen. Ich persönlich bin bisher noch nie jemandem begegnet, die bzw. der eine Sprache gut beherrscht und nicht bestrebt ist, diese weiter zu verbessern. Ich finde es aber lächerlich, wenn beispielsweise jemand, dessen Eltern aus einem anderen Land kommen und deren Sprache sie oder er dadurch zuhause erlernt hat, behauptet, beispielsweise Ungarisch „perfekt“ zu können. Nur allzu gerne möchte ich wissen, wie viele Ungarn ihre Sprache perfekt beherrschen. Aber das ist ein anderes Thema. Abschließend dürfte es Sie jedoch vielleicht interessieren, dass die Stiftung Warentest gestern ein Testresultat zu Lernsoftware „English advanced“ veröffentlicht hat und dort hat der Test von Birkenbihl-Software (Bizzons eMarketing) mangelhaft, d. h. mit 4,6, abgeschnitten. test.de/Lernsoftware-Nur-eine-ist-gut-4633890-0/ Aber ich kann mir gut vorstellen, dass Ihnen das De-Codieren bei Chinesisch und Arabisch vor allem in der Anfangsphase gut geholfen hat. Für all Ihre weiteren Sprachstudien wünsche ich Ihnen viel Erfolg und verbleibe mit besten Grüßen Stefan Svec

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    • Sprachen Freak (Besucher) • sommerkurs-deutsch.de/ • 2012-02-06 @ 01:06:28 Also ich kann dem Text nur zustimmen, als Erwachsener hat man leider viel zu viel um die Ohren um eine Sprache spielerisch und ohne intensive Anstrengungen zu erlernen.

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    • polaret (Besucher) • Link-Adresse obsolet • 2011-02-27 @ 12:42:19 In professional indoctrination, lore by teaching designates currently the method past Jean-Pol Martin that allows pupils and students to brief and to instruct in

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    Ben (Besucher) • linguversum.jimdo.com/ (Link korrigiert – Linguis) • 2010-11-19 @ 15:49:01 Hallo, vollkommen richtig: eine Sprache lernt man nicht nebenbei oder gar im Schlaf (wie manch unseriöser Anbieter verspricht). Allerdings lernen viele Leute Sprachen genausowenig im traditionellen Sprachunterricht....Meiner Meinung nach hat jeder erfolgreich Sprachen Lernende seinen eigenen Lernstil gemäß seiner Interessen und Neigungen gefunden. Ben linguversum.jimdo.com/

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    • Sylvia Kiel (Besucher) • gaalingua.com • 2010-09-25 @ 19:23:33 Hallo, ich kann Ihren Artikel (fast) voll und ganz unterschreiben! Viele Schüler fallen auf falsche oder zumindest nicht ganz richtige Werbeversprechungen diverser Anbieter herein, welche mit Angeboten wie "Lernen ohne Grammatik", "Lernen ohne Vokabellernen" oder "Lernen wie ein Kind" werben. Dabei hat ein Erwachsener eben in der Regel, wie Sie richtig schrieben, nicht oder kaum die gleichen Lernvoraussetzungen wie ein Erwachsener. Und außerdem kann man eine Sprache nicht ohne deren Grammatik bzw. ohne Vokabeln zu lernen erwerben - die Frage ist lediglich, mit welcher Methode man die jeder Sprache innewohnende Grammatik und Vokabeln lernt und ob man es bewusst (explizit) oder unbewusst (implizit) tut. Sylvia (Deutsch-/Russischdozentin) Gaalingua.com